Ökonomie im Krankenhaus und in der Medizin

Ökonomie im Krankenhaus: Die 4 Ursachen für die Ökonomisierung der Medizin

Raik Garve

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Bei der Behandlung von Kranken sollte es nicht in erster Linie ums Geld gehen. Und doch regiert die Ökonomie im Krankenhaus!
Es herrscht chronischer Kostendruck bei gleichzeitigem Personalmangel. Die Lukrativität einer Behandlung ist in Deutschland zum Dreh- und Angelpunkt geworden.

Wahrscheinlich hast Du diese Erfahrung auch schon mindestens einmal machen dürfen und hast Dich vielleicht gefragt, warum das vor fünfzig Jahren anders war. Woran kranken die deutschen Krankenhäuser heutzutage?
Je stärker wirtschaftliche Interessen bei der Behandlung von Patienten im Vordergrund stehen, desto inhumaner wird die gesamte Medizin!

Die Ursprünge der Herrschaft der Ökonomie im Krankenhaus gehen in etwa auf die 1970er Jahre zurück und haben zunächst einmal gar nichts mit Medizin zu tun.
Welche vier Ursachen zur bedenklichen 
Ökonomisierung innerhalb der modernen Medizin geführt haben, erkläre ich Dir ausführlich in diesem Blogartikel.


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Ökonomie im Krankenhaus: eine traurige Diagnose

Die Privatisierung und Ökonomisierung des Gesundheitssystems schreitet voran: Die Mediziner arbeiten nach Checklisten, Finanz- und Zeitvorgaben. Visiten, bei denen auch die Schwestern mitgehen, sind Geschichte. Zeit für Gespräche mit den Patienten ist knapp bemessen. Die Wirtschaftlichkeit bestimmt den Krankenhausalltag, allem voran die Wahl der Behandlungen.

Lukrative Indikationen sind zum Beispiel Stammzelltransplantationen, bei denen Krebspatienten– nach hochdosierten Chemotherapien und Ganzkörperbestrahlungen – die Knochenmark- oder Blutstammzellen eines Spenders erhalten.

Warum verkommt die heutige Medizin immer mehr zu einem Geschäftsmodell? Weshalb wird sie immer inhumaner, also mechanischer in ihrer Betrachtungsweise des Menschen, und gleichzeitig technokratischer, technikgläubiger? Denn je stärker die Rolle der Ökonomie im Krankenhaus, desto inhumaner die Zustände für die Patienten.

Ich möchte in diesem Blogartikel die vier verborgenen Hintergründe für diese Entwicklung genauer beleuchten. 


Die erste Ursache: Verbreitung neoliberalen Gedankenguts

Die Verbreitung sogenannter neoliberaler Gedanken ist für die wachsende Rolle der Ökonomie im Krankenhaus hauptverantwortlich: die Vorstellung, dass Märkte allein aufgrund von Angebot und Nachfrage effizient arbeiten und durch einen entsprechenden Verdrängungswettbewerb der Fortschritt gefördert wird.

Es gilt die Devise: Wer sich gegenüber der Konkurrenz durchsetzen will, muss kostengünstiger oder mehr produzieren, um den Markt zu dominieren. Was für bestimmte Sach- bzw. Luxusgüter noch angehen mag, ist mehr als fragwürdig, wenn es um Menschen und Menschenleben geht.

Die Ökonomie im Krankhaus ist gewinnorientiert

Wenn diese Art von Neoliberalismus die Dienstleistung eines Therapeuten für einen Hilfesuchenden bestimmt, dann werden Patient und Therapie wie eine Ware behandelt und auf beiden Seiten Entscheidungen nach ganz anderen Gesichtspunkten getroffen, als denen einer möglichen Heilung bzw. Unterstützung bei der Selbstheilung.

Seit den 1970er Jahren können wir einen weltweiten Siegeszug dieser sogenannten neoliberalen Theorien beobachten. Zu diesem Zeitpunkt fühlten sich die USA und Großbritannien durch das stärkere Wirtschaftswachstum Kontinentaleuropas und vor allem Deutschlands bedroht.

Der damalige US-Präsident Ronald Reagan galt als Sinnbild des "American Dreams“ und die englische Premierministerin Margaret Thatcher trat für den Freien Markt und Monetarismus im Sinne Milton Friedmans ein. Beide haben dafür gesorgt, dass der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaute Wohlfahrtsstaat nach und nach wieder abgebaut und die Wirtschaft zugunsten eines Wettbewerbsvorteils der entsprechenden angelsächsischen Unternehmen ausgerichtet wurde, sodass diese den Markt für sich zurückgewinnen konnten.

Das neoliberale Gedankengut hielt nicht nur in den produzierenden Wirtschaftszweigen Einzug, sondern bestimmte auch zunehmend die Ökonomie im Krankenhaus.


Zweite Ursache: Die Agenda der Globalisierung

Hand in Hand mit der Neoliberalisierung der Wirtschaft begann die sogenannte Globalisierung und damit die verdeckte Amerikanisierung der gesamten Weltwirtschaft.

Globalisierung der Medizin

Seitdem muss sich die Weltwirtschaft immer mehr den Regeln des angloamerikanischen neoliberalen Unternehmertums unterordnen und sich am Freien Markt bzw. freien Wettbewerb orientierten, was letztlich nichts anderes bedeutet, als dass immer der Stärkere gewinnt bzw. sich der Schnellste durchsetzt.

Wer andere Werte oder Ambitionen mitbringt, wer etwas für die Gesellschaft tun, wer sich tatsächlich nützlich machen möchte, bleibt auf der Strecke. Es gilt der sogenannte deutsche Sonderweg:

Krankenhausunternehmen, die sich noch dem Wohl der Menschen verpflichtet fühlen – wie zum Beispiel kirchliche Einrichtungen oder auch noch einige öffentliche Medizienbetriebe, die sich noch nicht vollends als Wirtschaftsunternehmen verstehen – geraten unter diesen Rahmenbedingungen in Schwierigkeiten.

Selbst, wenn sie versuchen, im Wettbewerb zu bleiben, und die entsprechenden Therapien und Diagnoseverfahren auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten statt nur im Sinne des Patienten auszuwählen, die Auslese ist zu stark.

Viele Krankenhäuser gehen einfach bankrott und es kommt zu einer Konzentration von größeren Kompetenzzentren, in denen sich Spezialisten unter einem Dach zusammenfinden können, um dem globalen Wettbewerbsdruck widerstehen zu können.

Die alarmierende Entwicklung der zunehmenden Globalisierung prägt nun seit ungefähr fünfzig Jahren die Ökonomie im Krankenhaus. Die Medizin von heute wird so mehr und mehr zu einer Medizinwirtschaft.


Dritte Ursache: Das Zeitalter der Antivernunft

Postmoderne, das sei das Ende der leitenden Ideen, wie sie die Moderne bestimmt hätten. Das ist die erste Strategie des Vergessen machens, die uns die Postmoderne abverlangt.“

Burghart Schmidt, deutscher Philosoph, 1942

Die sogenannte Postmoderne, oder salopper ausgedrückt das Zeitalter der Antivernunft, ist ein weiterer künstlich herbeigeführter Zeitgeist und Grund für die zunehmende Ökonomisierung der Medizin.

Kannst auch Du bei vielen Entscheidungen, die heute in Politik und Wirtschaft getroffen werden, nur noch mit dem Kopf schütteln? Unsere heutige Wissenschaft wird nicht mehr von einem tiefen Idealismus und dem Forscherdrang getragen, die Wahrheit herausfinden zu wollen. Sie ist im Prinzip zur Auftragswissenschaft der Großindustrie verkommen, die sie finanziert. Ganz nach dem Motto: „Des Brot ich ess’, des Lied ich sing.“

Das Zeitalter der sogenannte Postmoderne ist durch geistige Strömungen charakterisiert, die unter anderem davon ausgehen, dass es keinen universellen Wahrheitsanspruch mehr geben soll. So dienen die in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse nicht mehr wie in früheren Zeiten der tieferen Erkenntnisgewinnung.

 qStatt um Idealismus, geht es nur noch um Auftragserfüllung: Die Geldgeber geben vor, was am Ende herauskommen soll. Wenn eine wissenschaftliche Einrichtung das gewünschte Ergebnis abliefert, bekommt sie dafür Geld. Anderenfalls bekommt sie eher Schwierigkeiten und wird im Wettbewerbsrahmen der heutigen Wirtschaft schwerlich überleben.

Mit dem postmodernen Gedankengut verbunden ist ein weiteres Dilemma: Die fortschreitende Stärkung der geldgesteuerten Systeme führt unweigerlich auch zu einer gewissen Oberflächlichkeit unter den Menschen. Marktbeherrschung und Gewinnmaximierung sowie die hierfür nötige Kundenaquise bestimmen plötzlich das Spiel des Lebens.

Ein typisches Symptom ist die heutige Konsum- und Spaßgesellschaft: Die Menschen sind mehr oder weniger nur noch auf eine oberflächliche Bedürfnis- bzw. Lustbefriedigung aus. Das sogenannte Las-Vegas-Syndrom – die Aussicht auf eine schnelle Belohnung – ist heutzutage für die meisten motivierender als das Streben nach Erkenntnis und Wahrheit sowie einem tieferen Verständnis vom Wesen des Menschen und der Welt.

All dies sind im Grunde Folgen der ökonomischen Rahmenbedingungen des heutigen Geldsystems. Indem wir unser Handeln danach ausrichten und nur noch tun, was letztendlich auch bezahlt wird und sich für uns bequem sowie schnell erreichen lässt oder sich gut anfühlt, verdummen und verweichlichen wir immer mehr. Während nach wirklicher Erkenntnis zu streben, oft ein harter Weg ist und Durchhaltevermögen erfordert. 


Vierte Ursache: Der Kunde ist König

Utilitarismus bedeutet im Grunde nichts anderes als zweckorientierte Ethik. Nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Entsprechend wird eine Handlung nur dann als moralisch richtig betrachtet, wenn sie für eine große Anzahl von Menschen den entsprechenden Nutzen hat. Auch dabei geht es wieder darum, maximale Freude zu generieren.

Die utilitaristische Denkweise ist vor allem im angloamerikanischen Raum sehr stark ausgeprägt und bestimmt mittlerweile zusammen mit dem neoliberalen Gedankengut sowie der Globalisierungs-Agenda auch in Europa über alle Lebensbereiche – darunter auch über die Ökonomie im Krankenhaus.

Zuerst wurde sich an das Konsumentendenken angepasst und gleichzeitig begann dessen psychologisch geschickte Beeinflussung. Nach dem Motto: Der Kunde ist König – wie kann er am leichtesten schnell befriedigt werden? So wird passives Konsumentenverhalten gefördert: Ansprüche und Anspruchshaltung wachsen exponentiell und gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, sich anzustrengen oder Verzicht zu üben.

Der Mensch wird durch die vielen Verlockungen, die ihm eine schnelle Belohnung bzw. Befriedigung seiner Bedürfnisse in Aussicht stellen, in seinem Erkenntnisstreben und seinem Bemühen sowie in seinem Handeln zurückgehalten. So wird er mehr und mehr zu einem passiven Konsumenten. 


Fazit:

Seit ungefähr fünfzig Jahren kommt es nun also in der westlichen Medizin zu einer deutlichen Machtverschiebung von den medizinischen zu den ökonomischen Institutionen. Erkennbar ist es unter anderem daran, dass global tätige IT-Konzerne wie Google zunehmend auch den Medizinbetrieb übernehmen und den sogenannten Biotech-Markt dominieren, indem sie verschiedene Firmen aufkaufen oder neue Firmen gründen.

Alle diese Entwicklungen lassen die Medizin immer inhumaner werden. Das wichtigste überhaupt – die Beziehung zwischen einem hilfesuchenden Menschen und einem Therapeuten – wird umso mehr erkalten, umso mehr sich die Technik dazwischen schiebt. Das Menschliche wird also zugunsten der Technik zerstört. Der Patient ist nur noch ein potentieller Kunde, eine Nummer in der Matrix, die dem System „Ökonomie im Krankenhaus“ einen bestimmten Geldbetrag einbringt, wenn es eine bestimmte Art von Therapie an ihn verkauft.

Die oben beschriebenen vier Ursachen haben letztendlich dazu geführt, dass die heutige Medizin weiter denn je vom Anspruch entfernt ist, unsere Selbstheilung zu unterstützen, geschweige denn wirkliche Erkenntnisse in der medizinischen Grundlagenforschung zu gewinnen – Wahrheiten, die uns unter anderem helfen könnten, die zunehmenden Zivilisationskrankheiten verstehen und besiegen zu können.

Unsere moderne Wissenschaft ist nicht frei. Sie kann daher auch nicht den ursprünglichen Idealen einer wahrhaftigen Wissenschaft und Forschung folgen.

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Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute und vor allem bleib gesund!

Über den Autor RAIK GARVE

Raik Garve ist seit 2005 Gesundheitslehrer und Dozent in der Erwachsenenbildung. In seinen im gesamten deutschsprachigen Raum gehaltenen Vorträgen, Seminare und Webinaren vermittelt er seit vielen Jahren verständlich und praxisnah das gesamte Spektrum der Schul-, Natur- und Informationsmedizin. Das Ziel seiner Arbeit ist die Synthese von Erkenntnissen der klassischen Lehrschulmedizin mit der Jahrtausende alten Erfahrungsheilkunde zu einem für jeden Menschen leicht nachvollziehbaren und praktisch im Alltag umsetzbaren Gesamtkonzept. Mit diesem Wissen kann jeder zum Experten für die eigene Gesundheit werden.

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