Zu viel Calcium - Familie trinkt zusammen Milch

Zu viel Calcium: Warum Calcium auch schädlich sein kann

Raik Garve

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Dieser Blogartikel möchte einen weiteren Mythos klären, der sich immer noch in der Medizin, aber auch in der allgemeinen Bevölkerung am Leben hält, nämlich das Thema Calcium. Viele meinen, sie müssen viel Calcium zu sich nehmen. Doch stimmt das? Welche Auswirkungen hat zu viel Calcium im Körper?

Die zwei Calciumirrtümer

Der Irrtum über das Calcium besteht eigentlich aus zwei Aspekten. Nämlich der erste Aspekt besagt: Calcium ist das wichtigste Element für starke Knochen. Und zweitens: Kuh-Milchprodukte sind besonders gute Calciumlieferanten.

Diese beiden Aussagen sind mittlerweile zum Dogma geworden. Die Folge davon ist, dass viele Menschen im höheren Alter Angst haben, dass ihre Knochen ganz leicht brechen würden, wenn sie nicht ausreichend Calcium mit der Ernährung, und zwar idealerweise in Form von Milchprodukten wie Joghurt, Quark, Käse usw. zu sich führen würden.

Wenigen Menschen ist es bewusst, dass man auch zu viel Calcium einnehmen kann. Welche Auswirkungen zu viel Calcium für deine Knochen hat, verrate ich dir gleich. Ich möchte dir in diesem Blogartikel insgesamt fünf harte Fakten und Nebenwirkungen von Calcium geben, die dir zeigen werden, dass an dieser Calciumangst wirklich nicht viel dran ist.

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Knochen bestehen nicht nur aus Calcium

Calcium ist Bestandteil des Knochens und hat auch den größten Anteil des Knochens, aber der Knochen besteht nicht nur aus Calcium. Er besteht aus ungefähr zwölf verschiedenen Mineralien und wir brauchen letztendlich alle, um starke, gesunde Knochen zu haben.

Und das wird oft vergessen. Ich rede auch gerne von der sogenannten Analysefalle der Medizin. Man greift einzelne Aspekte aus dem Gesamtzusammenhang heraus und stilisiert sie ganz nach oben. Entweder werden sie verteufelt, wie zum Beispiel das Cholesterin oder bestimmte Substanzen werden in den Himmel als Wundermittel hochgelobt.

Das ist natürlich Blödsinn, weil die Natur immer in einem komplexen Netzwerk arbeitet und letztendlich funktioniert dieses Netzwerk nur so gut wie alle Bestandteile, die vorhanden sind. Und wenn ein Aspekt fehlt, kann es schon dazu führen, dass das Netzwerk nicht mehr sauber arbeitet.

Also Calcium ist nur einer von mindestens zwölf verschiedenen Mineralstoffen, die für die Knochensubstanz wichtig sind. Zu viel Calcium wirkt sich negativ auf die Mineralstoffzusammensetzung des Knochens aus.

Viele nehmen zu viel Calcium ein

0.6g
Calcium einnehmen

Der tägliche Calciumverlust bei Nicht-Zuführung von Calcium ist minimal. Wir sprechen von ungefähr 0,6 Gramm, die wir täglich verlieren. Das Problem ist aber, dass die Menschen aufgrund der ganzen Panikmache etwa das Dreifache täglich in der normalen Ernährung zu sich nehmen.

Also ungefähr 1,5 Gramm. Was passiert im Körper, wenn man nur 0,6 Gramm verliert und 1,5 Gramm Calcium zuführt? Was passiert mit zu viel Calcium im Körper? Die Auswirkungen klären wir in Kürze.

Nur in jungen Jahren brauchen wir mehr Calcium

Es wird immer wieder betont, wie wichtig Calcium ist. Ja, das stimmt. Man muss sich aber fragen, in welchem Lebensabschnitt. Von der Geburt bis ungefähr zum 21. Lebensjahr, also in der Zeit, wo der Körper heranreift und das Skelettsystem sich ausbildet, brauchen wir tatsächlich ein bisschen mehr Calcium.

Das ist offensichtlich, weil wir erst die knochenharte Substanz aufbauen müssen. Dadurch ist der Bedarf tatsächlich erhöht. Aber spätestens, wenn das Skelett ausgereift ist oder auch im höheren Alter, brauchen wir längst nicht so viel Calcium, wie es immer empfohlen wird. Das ist sogar ungünstig.

Das heißt, im Wachstumsalter brauchen wir ausreichend Calcium, aber sobald wir ausgewachsen oder im höheren Alter sind, ist zu viel Calcium nachteilig für die Gesundheit. Es fördert sogar vorzeitige Alterung und Degenerationsprozesse.

Milchprodukte sind keine guten Calciumlieferanten

Sind Milchprodukte gute Calciumlieferanten? Das ist nicht so, weil das Calcium, das wir in Milch und Kuh-Milchprodukten haben, von unserem Darm relativ schlecht aufgenommen wird. Für uns bessere Calciumquellen sind grünes Gemüse, Brokkoli, Grünkohl oder Rucola zum Beispiel, aber nicht unbedingt Milchprodukte.

Calciumreiche Nahrungsmittel

Brauchen wir Calcium als Nahrungsergänzungsmittel?

Der tägliche Calciumbedarf, also etwa ungefähr 0,6 Gramm, können wir problemlos mit der heutigen typischen Mischkost decken. Wir müssen also nicht noch zusätzlich Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, z.B. Calciumtabletten oder besonders calciumreiches Mineralwasser.

Das brauchen wir nicht, das hat eher nachteilige Auswirkungen. Wenn wir uns zusätzliches organisches Calcium zuführen, das gebunden ist, zum Beispiel in Form von Muschelkalk, Eierschalen, Knochenmehl oder calciumreichem Mineralwasser, dann führt das zu einem Calciumüberschuss.

Nebenwirkungen von zu viel Calcium

Calcium, das nicht ausgeschieden werden kann, lagert sich im Gewebe ab.

Verhärtungen von Gewebe

Zu viel Calcium führt zu allen möglichen Verhärtungen. Allen voran fördert es die Entstehung von Nieren- und Gallensteinen. Zu viel Calcium kann auch zur Arteriosklerose beitragen (Verkalkung der Arterien).

Verkalkung und Verhärtung der Arterienwände sorgen für einen Anstieg des Blutdrucks. Zu viel Calcium fördert hohen Blutdruck. Weitere Symptomatiken sind Knochenvorsprünge, z.B. an der Ferse. Ein anderer Name dafür ist Knochensporn.

Es kann auch das gesamte Weichgewebe unseres Körpers verhärten und verkalken. Wodurch sind ältere Menschen eher gekennzeichnet als kleine Kinder? Sie sind weniger beweglich, fester und starrer, aber nicht nur in ihrem Körper, sondern auch in ihrem Denken.

Unterbindung der Regeneration

Zu viel Calcium kann sich auch negativ auf die Hirnfunktion auswirken. Besonders bedroht ist die sogenannte Epiphyse. Sie ist eine zentrale Steuerdrüse im Hormonsystem. Die Epiphyse reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus und produziert Melatonin, welches dich regenerieren und schlafen lässt.

Wenn die Epiphyse verkalkt, das ist leider bei vielen Menschen der Fall, dann findet weniger Regeneration im Schlaf statt und trägt zu einer vorzeitigen Alterung bei. Da Schlaf einer der wirkungsvollsten Regenerationsfaktoren ist, fördert Calcium Degenerationsprozesse durch unzureichende Schlafqualität.

Wenn Sie sich an die gängigen Ernährungsempfehlungen, vor allem hinsichtlich Calcium, halten, bringen Sie Ihre Gesundheit und Ihr Leben in ernste Gefahr.

Dr. med. Dr. jur. Thomas E. Levy

Hemmung des Immunsystems

Calcium erhöht den Abbaustoffwechsel, den sogenannten Katabolismus. Das bedeutet, komplexe Nahrungsstoffe wie Proteine werden in einfachere Stoffe wie Aminosäuren abgebaut.

Es wirkt ähnlich wie Cortisol. Es erzeugt Stress und hemmt das Immunsystem. Zu viel Calcium unterdrückt entzündliche Prozesse, was man vielleicht als positiv betrachten kann, aber wenn der Körper nicht mehr kontrolliert entzünden kann, dann kann er an der Stelle zum Beispiel kein Gewebe regenerieren.

Erhöhtes intrazelluläres Calcium erhöht den oxidativen Stress in den Zellen. Und man weiß, dass alle Krankheiten durch oxidativen Stress entstehen oder sich durch ihn verschlimmern. Die Entzündung ist ein Basisprogramm der Regulation des Immunsystems für die Regeneration und hat somit eine wichtige Funktion.

Vorzeitige Alterung

Des Weiteren fördert zu viel Calcium, wie schon erwähnt, hohen Blutdruck. Woran kann man das ganz einfach sehen? Es gibt ein Medikament, das den Blutdruck senkt und das sind sogenannte Calcium-Gegenspieler (= Calcium-Antagonisten).

Das heißt, man versucht die Wirkung von Calcium zu blockieren, um den erhöhten Blutdruck wieder zu senken. Also sollte man nicht zu viel Calcium im höheren Alter zuführen.

Verminderter Magnesiumgehalt

Calcium ist auch der Gegenspieler von Magnesium. Magnesium ist das Mineral, was uns stressresistenter macht und uns als Stresspuffer dient. Wenn wir zu viel Calcium haben, finden wir meistens zu wenig Magnesium vor und das macht uns Stressanfälliger.

Zu viel Calcium kann lebensverkürzend sein

Eine Studie aus Schweden, deren Ergebnisse Anfang 2013 in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" (BMJ) veröffentlicht worden sind, spricht eine deutliche Sprache. 

In der Studie war die Zahl der Todesfälle bei Frauen, die täglich mehr als 1.400 Milligramm Kalzium über ihre Nahrung und Ergänzungspräparate zu sich genommen hatten, deutlich erhöht.

61.433 Frauen mit Geburtsjahrgang 1914 bis 1948 waren beginnend in den Jahren 1987 bis 1990 im Median 19 Jahre lang beobachtet worden. In dieser Zeit starben 11.944 Teilnehmerinnen, davon 3862 aus kardiovaskulärer Ursache, 1932 an einer ischämischen Herzerkrankung und 1100 an einem Schlaganfall. 

38.984 Frauen hatten bei Studieneinschluss und zehn Jahre später detailliert über ihre Ernährung Auskunft gegeben. Die höchste (kardiovaskuläre) Mortalität hatten Frauen, deren Diät mehr als 1400 mg Kalzium pro Tag enthielt. (Quelle)

Eine andere Studie aus der USA zeigt, dass Männer, die Kalzium in hohen Dosierungen (≥ 1000 mg/d) supplementieren, ein erhöhtes Risiko haben, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

Zusammenfassung

Calcium ist zwar wichtig, aber hat nicht den Stellenwert, der heute propagiert wird. Calcium ist bedeutend in der Aufbauphase des Lebens. Wenn wir als Menschen heranreifen, von der Geburt bis zum 21. Lebensjahr, und unser System sich herausbildet, dann ist Calcium unentbehrlich.

Danach hat es nicht mehr die primäre Rolle. Den Bedarf können wir ohne Probleme über eine normale Mischkost decken. Zusätzlich Calcium-Präparate zur Einnahme sind überflüssig.

Worauf wir viel mehr achten müssen, sind die anderen Elemente wie Magnesium, Kalium, aber auch die vielen Spurenelemente. Sie sind viel bedeutender, weil sie im Stoffwechsel wesentlich mehr Wirkungen entfalten als das Calcium, was primär als Bausubstanz dient.

Calcium macht unsere Knochen härter, aber auch brüchiger. Man sollte also beide Seiten der Medaille anschauen. Vor allem im hohen Alter ist es wichtig, die Knochen elastischer zu halten und da ist Calcium kontraproduktiv.

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Ich wünsche dir alles Gute und vor allem bleib gesund.

Über den Autor RAIK GARVE

Raik Garve ist seit 2005 Gesundheitslehrer und Dozent in der Erwachsenenbildung. In seinen im gesamten deutschsprachigen Raum gehaltenen Vorträgen, Seminare und Webinaren vermittelt er seit vielen Jahren verständlich und praxisnah das gesamte Spektrum der Schul-, Natur- und Informationsmedizin. Das Ziel seiner Arbeit ist die Synthese von Erkenntnissen der klassischen Lehrschulmedizin mit der Jahrtausende alten Erfahrungsheilkunde zu einem für jeden Menschen leicht nachvollziehbaren und praktischen im Alltag umsetzbaren Gesamtkonzept. Mit diesem Wissen kann jeder zum Experten für die eigene Gesundheit werden.

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